Humpelhund-Stories

Unrund, aber gesund!

Hades – oder wie aus einem Schicksal eine Idee geboren wurde

Hades heißt der kleine Mann, der den Grundstein für diesen Blog und die Idee einer Humpelhundseite gelegt hat. Er steht für eine Vielzahlt von Hundeschicksalen (und auch menschlichen Schicksalen), die einen schwierigen Start ins Leben hatten, sind aber von nichts und niemand stoppen ließen .

Er kam in meine Praxis, ein Welpe, der ca. 16 Wochen seines kurzen Lebens bisher bestritten hatte. Und seine Zukunft  stand auf der Kippe. Sollte man ihn erlösen, wäre es besser das Leiden zu beenden. Für mich genau die Äußerungen, die mich ganz genau hinschauen lassen.

Aber fangen wir mal an zu erzählen was geschah, bevor Hades mit seiner Pflegefamilie durch unsere Türe kam. Wir erhielten von einer Tierschutzorganisation eine Nachricht und Röntgenbilder von einem sehr jungen Hund. Es war eine Übersichtsaufnahme der Wirbelsäule. Auf dem Bild waren sehr gravierende Veränderung an der Brustwirbelsäule zu erkennen. 
Er war in die Pflegefamilie eingezogen und eines der Familienmitglieder hatte ihn auf dem Arm. Welpenlike hatte der kleine Quirrl aber ganz andere Sachen im Kopf und sprang ungeschickt vom Arm und landete auf dem Rücken. Nach dem Aufprall wollte er aufstehen, seine Hinterbein versagten ihm aber den Dienst. Schockiert und überaus besorgt packten sie den kleinen Mann ins Auto und fuhren schnurstracks in die Tierklinik. Kein Wort fiel auf der Fahrt, denn alle waren besorgt und insgeheim beschäftigte man sich natürlich mit dem Schlimmsten vom Schlimmen. Eine Lähmung der Hinterhand konnte viele Ursachen haben. Eine davon wäre eine Fraktur eines oder mehrerer Wirbelkörper. Ein Szenario, dass fatale Folgen haben würde. 
In der Klinik wurden sie in Empfang genommen und die Geschichte wurde erzählt. Aufgrund der Schilderung entschied man sich eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule zu machen. Betretende Gesichter, als der Arzt vom Röntgen mit Hades zurückkehrte. Auf der Aufnahme waren eine Deformation an zwei Wirbelkörpern der Brustwirbelsäule zu erkennen. Es wurde gerätselt, woher die kam, denn es war keine Fraktur oder Luxation von Wirbelkörpern.  Nein, vielmehr waren es zweit Wirbelkörper, die nicht die normale Form hatten. Am nächsten kamen sie der Bildung von Spondylosen gleich. Bei einer Spondylose handelt es sich um arthrotische Veränderungen an einem, i.d.R. mehreren Wirbelkörpern. Ihre Ursache ist nicht umfassend geklärt, sie treten dennoch häufig dann auf, wenn eine Überbeanspruchung der Wirbelsäule vorliegt, zu denen es z.B. nach langwierigen Fehlbelastungen oder Lahmheiten auftritt. 
Der Arzt konnte sich aber nicht wirklich einen Reim auf derartige Veränderungen machen, v.a. bei einem so jungen Hund und daher ging man davon aus, dass es angeboren sein könnte. Euthanasie, d.h. ihn Einzuschläfern, wurde in den Raum gestellt, da die Prognose äußerst schlecht sei. Man könne aber natürlich erstmal ein Schmerzmittel probieren, als alle im Raum sich die Tränen nichtmehr verkneifen konnten. Die Prognose für die Zukunft wurde als denkbar ungünstig eingestuft und auf die Rücküberweisung zum Haustierarzt geschrieben und die Pflegefamilie samt dem kleinen Hades nach Hause geschickt.
Wenn es auf der Fahrt in die Klinik schon leise war, dann war auf der Fahrt nach Hause noch schlimmer. Die Pflegemama versuchte sich weitere Tränen zu verkneifen, doch lange ging das nicht gut und alle hatten Tränen in den Augen. Er war erst seit 7 Tagen da, aber die Herzen hatte er schon im Sturm erobert. 
Es galt einen Plan zu schmieden. So einfach wollten sie nicht aufgeben. Die Tierschutzorganisation wurde benachrichtig über das Ergebnis und die Kosten, die bisher anfielen, informiert. Es wurde beratschlagt, was als nächstes zu tun sein. Man schwankte immerzu zwischen Hoffen und Bangen. Für jede Tierschutzorganisation birgt ein kranker Hund ein großes Risiko. Einerseits ist man verantwortlich, andererseits müssen die auftretenden Kosten auch geschultert werden können. Eine Wirbelsäulen-OP schlägt häufig mit 4000-5000 Euro zu buche und die anschließende Reha muss auch bezahlt werden. Nun stand bei Hades die Möglichkeit einer OP nie zur Debatte und war auch nicht indiziert, dennoch würde er vielleicht weitere Therapien, wie Schmerzmedikation und Physiotherapie brauchen. Und wie stand es mit seinen Vermittlungschancen? 

Diese und weitere Fragen wurden kontrovers diskutiert und man einigte sich darauf uns von der Diagnose in Kenntnis zu setzen und uns um eine Meinung zu bitten.

Auf der linken Seite sieht man die erste Aufnahme nach dem Vorfall bei dem er auf dem Rücken landete. Die rechte Aufnahme ist nachdem er in seine neue Familie einziehen durfte.

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